So arbeiten wir in Zukunft

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Werden uns Roboter und Computer die Jobs wegnehmen? Wie werden wir in Zukunft überhaupt noch arbeiten oder welche Skills werden wir brauchen? Und: Welchen Einfluss hat Corona auf die Jobs von morgen?

Anfangs 2020 hat das WEF eine Studie veröffentlicht, die untersucht, wie sich die Job-Nachfrage der globalen Wirtschaft entwickelt und welche Skills die Fachkräfte der Zukunft mitbringen sollen. An der Studie mitgearbeitet haben das New Metrics CoLab des Weltwirtschaftsforums und drei Partnerunternehmen: Burning Glass Technologies, Coursera und LinkedIn.

Die Jobs, die gemäss WEF-Studie auf der ganzen Welt mehr werden und bei denen die Nachfrage nach Fachkräften steigt, lassen sich in Clustern darstellen: Die Green Economy, Daten- und KI-Wirtschaft, Ingenieurwesen, Cloud Computing und Produktentwicklung boomen, weil die Technik immense Fortschritte macht, während  die Care Economy wegen soziodemografischer Verschiebungen wächst. Mehr Bedarf wird es ausserdem in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Produktion geben. «Das Wachstum und der absolute Umfang dieser Möglichkeiten werden in besonderem Masse von den Entscheidungen und Investitionen bestimmt, die die Regierungen heute treffen», schreibt die Studie.

Die vierte industrielle Revolution

Drei industrielle Revolutionen hat die Menschheit bisher erlebt: Die erste begann um 1760, ausgelöst durch die Erfindung der Dampfmaschine und den Bau von Eisenbahnen. Sie läutete die Ära der mechanischen Produktion ein. Ende des 19. Jahrhunderts folgte die zweite industrielle Revolution, angetrieben durch die Einführung von Elektrizität und massiv beeinflusst von Henry Ford, der 1913 das Fliessband in der Automobilbranche einführte. Die dritte industrielle Revolution begann in den 1960er-Jahren und wurde durch die Entwicklung von Halbleitern, Grossrechnern, PCs und seit den 1990er-Jahren durch das Internet getriggert. Im Moment erleben wir die vierte industrielle Revolution, das Zeitalter der Digitalisierung. Der Begriff wurde an der Hannover Messe 2011 geprägt.

Diese vierte industrielle Revolution generiert nun die Nachfrage nach Millionen neuer Arbeitsplätze mit enormen neuen Möglichkeiten. Doch welche Faktoren sind es, die die Berufe der Zukunft ausmachen? Die Antwort der WEF-Studie ist eindeutig: Es wird sowohl „digitale“ als auch „menschliche“ Kompetenzen und Skills brauchen.

Gefragte IT-Spezialisten

Zu den Berufen mit der höchsten Wachstumsrate gehören gemäss WEF Spezialisten für künstliche Intelligenz, medizinische Transkriptionisten, Datenwissenschaftler, Spezialisten für Kundenerfolg und Full-Stack-Ingenieure. Die am stärksten nachgefragten Fähigkeiten umfassen sowohl technische als auch funktionsübergreifende Fähigkeiten, die die WEF-Studie in fünf sogenannte «Qualifikationscluster» unterteilt: Unternehmensfertigkeiten, spezialisierte Industriefertigkeiten, allgemeine und Soft Skills, technische Basisfertigkeiten und technisch-unterbrechende Fertigkeiten. Die Autoren schreiben dazu: «Während einige berufliche Cluster – wie Daten und KI sowie Ingenieurwesen und Cloud Computing – starke Fachkenntnisse in digitalen Technologien erfordern, legen andere Berufe mit hohem Wachstumspotential einen grösseren Schwerpunkt auf geschäftliche Fähigkeiten oder spezialisierte Branchenkenntnisse.»

Und  dann kam Corona

Ende Oktober nun hat das WEF einen neuen Bericht vorgelegt, über den Hanna Ziady auf «CNN Business» ausführlich berichtet hat. Die Erkenntnisse, die der Bericht liefert, sind wenig überraschend, aber nicht minder drastisch. Plakativ ausgedrückt ist Corona zweierlei: ein Turbo-Booster für die Digitalisierung und eine Jobvernichtungsmaschine. Innerhalb der nächsten fünf Jahre, so der Bericht, könnten weltweit 85 Millionen Arbeitsplätze verdrängt werden. «Dann», schreibt Hanna Ziady, «sind die Kassierer bei der Bank draussen und die Robotik-Ingenieure drinnen.» Will heissen: Die Pandemie hat die Übernahme von Technologien beschleunigt, sowohl durch Unternehmen als auch durch Verbraucher, und sie hat die Nachfrage nach Cloud Computing und E-Commerce-Diensten angekurbelt. Unternehmen hingegen, die ihre Kunden nicht online bedienen können, sind unter Druck geraten.

Der in der Schweiz veröffentlichte WEF-Bericht spricht von einer «doppelten Störung», die die Automatisierung und die Covid-Krise sozusagen im Team für den Arbeitnehmer generieren. Mehr als zwei Fünftel der vom WEF befragten Grossunternehmen planen, ihre Belegschaft aufgrund der Integration der Technologie zu reduzieren. Die weltweite Lohnungleichheit werde zunehmen, «wenn die vertriebenen Arbeitnehmer nicht umgeschult werden können, um in neue Berufe zu gelangen.» Zum ersten Mal in den letzten Jahren beginne die Arbeitsplatzschaffung, hinter der Arbeitsplatzvernichtung zurückzubleiben – und das werde benachteiligte Arbeitnehmer mit besonderer Härte treffen. «Die Bemühungen, diejenigen zu unterstützen, die von der gegenwärtigen Krise betroffen sind, bleiben hinter der Geschwindigkeit der Störungen zurück», sagen WEF-Gründer Klaus Schwab und Vorstandsmitglied Saadia Zahidi im Vorwort des Berichts. «Wir befinden uns in einem entscheidenden Moment: Die Entscheidungen, die wir heute treffen, werden den Verlauf des Lebens und der Lebensgrundlagen ganzer Generationen bestimmen.»

Was bedeutet das alles?

Die Frage stellt sich: Welche Skills braucht jede und jeder einzelne, um in der Zukunft möglichst gut bestehen zu können? Auch diese Frage beantwortet der WEF-Bericht: Gefragte sind die Fähigkeiten zu kritischem Denken, Analyse und Problemlösung – diese Skills gehören nach wie vor zu den Spitzenqualifikationen, die nach Ansicht der grössten Unternehmen der Welt in den nächsten fünf Jahren an Bedeutung gewinnen werden. Zu den neuen Fähigkeiten, die die Unternehmen in der WEF-Befragung hervorgehoben haben und die deutlich belegen, wie die Pandemie das tägliche Leben gestört hat, gehören Stresstoleranz, Belastbarkeit und Flexibilität. Einmal mehr: Lebenslanges Lernen und ein achtsamer Umgang mit den eigenen Ressourcen sind wichtige Elemente für eine erfolgreiche Zukunft im Job.

 

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